SHR – Newsletter I. Quartal / 2018

Kapitalanlage-Recht :   – 2 weitere P&R Firmen melden Insolvenz an …

das P&R Desaster wird dramatischer

nach der Insolvenz der 3 deutschen P&R Gesellschaften  ( SHR Pressemeldung vom 19.03.2018 ) haben nun aktuell die 2 verbliebenen deutschen Gesellschaften P & R Transport-Container GmbH und P&R AG Insolvenz angemeldet. Davon sind insbesondere die Zeichner der letzten im Jahre 2017 bis Ende Februar 2018 ( !!!) platzierten 5 Tranchen 5001 bis 5005 betroffen. Keinen Zugriff hat bisher der Insolvenz-Verwalter RA Jaffe auf die P& R in Zug / Schweiz, über die seit einigen Jahren die Container-Bestände verwaltet werden. Von den angeblich ca. 15 Mio. Containern sind derzeit noch Millionen unauffindbar, da die Zuger P&R bisher die Registrierungsdaten nicht geliefert hat. Auch liegt die Vermutung nahe, dass mit den 2017 und 2018 eingeworbenen Gelder keine Container mehr angeschafft, sondern unmittelbar Finanzierungslücken geschlossen wurden.

Noch am 25.10.2017 gab der P&R Geschäftsführer Martin Ebben cash.online (www.cash-online.de ) ein Interview und schilderte die Solidität der P&R- Gruppe und positiven Geschäftserwartungen u.a. wie folgt:

„… Insofern hat das Unternehmen seine traditionellen Stärken in der Produktgestaltung, Zuverlässigkeit, Kundenorientierung und Vertriebsorganisation behalten, sich aber auch den neuen Themen der Digitalisierung, Vertriebsherausforderungen und Regulierung gestellt.

… Im Jahr 2017 werden wir insgesamt voraussichtlich ein Absatzvolumen von 500 bis 550 Millionen Euro erreichen. Für 2018 planen wir ein Volumen von 600 Millionen Euro. Im Abgleich mit den Jahren, die bei einem Absatzvolumen im Bereich von über 700 Millionen Euro lagen, befinden wir uns damit wieder in einem Rahmen, der vor allem für die Folgejahre die mit den Umsätzen verbundenen jährlichen Verpflichtungen auf einem sehr ausgewogenen Level hält. …“

Inzwischen ermittelt auch die Staatsanwaltschaft München – kein Trost für die Anleger!  kapitalmarkt-intern (Nr. 18 /42 v. 04.05.2018 ) vermutet Verluste iHv. € 2,5 Mrd.

Was sollen die betroffenen Anleger tun ?

Derzeit ist die Informationslage über die Vorgänge bei P&R seit ca. 2010 noch sehr dürftig. Soweit Anlageberater oder Banken die Kapitalanlage in Container vermittelt haben, sollte man mögliche Schadensersatzansprüche prüfen lassen. Durch das Kleinanleger-Schutzgesetz und die Verpflichtung zur Prospektierung hat sich die Rechtslage seit 2017 gebessert.

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Fondsrecht: MPC-Fonds – Vernichtung von Anleger-Kapital

Das an der noblen Adresse Palmaille 71 in Hamburg residierende Emissionshaus MPC Capital AG/ TVP entwickelt sich für die Kapitalanleger zu einem „Hort der Vermögensvernichtung“ Hunderte von Schiffs-, Immobilien- und anderen Fondsarten wurden an Anleger platziert – die Schiffsfonds meldeten massenhaft Insolvenz an. Nicht viel besser steht es um die Immobilienfonds :

„Sachwert-Fonds Indien 2 GmbH & Co KG“ insolvent

Der von Anfang fehlkonzipierte MPC Fonds Indien 2 ist nunmehr endgültig am Ende. Die Anleger haben ihr gesamtes Kapital verloren. Die Fondsgesellschaft wurde klammheimlich ohne Beteiligung der Fondszeichner liquidiert. Der Wert der Immobilien ( „Sachwert“!) des ursprünglich mit einem Gesamtaufwand von € 340 Mio aufgelegten Fonds beträgt noch 24,6 Mio €. Seit 2011 wurden die Anleger „belogen und betrogen“…

siehe auch SHR Report „MPC Indien 2“ und „Holland 44“

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Kommentar : HSH Nordbank AG … das Milliardengrab

von Rechtsanwalt Dr.Ingo Schulz-Hennig

Aktuell wurde jetzt die einst stolze Landesbank in Hamburg und nach der Fusion mit der LB Kiel umfirmierte HSH Nordbank AG an die Investoren Flowers und cerberus ( auf deutsch: der „Höllenhund“ ) für ca. € 1.0 Mrd verkauft und „besenrein“ übergeben. Ca. € 14 Mrd. haben die Steuerzahler in 2 Kapitalerhöhungen und Bürgschaften investiert, um die Pleite der Bank abzuwenden – zuletzt in eine Bad Bank zur Abwicklung der „faulen“ Kredite, für die weiterhin die Steuerzahler haften. Vermutlich werden es ca. 20 Mrd. – so genau weiss man es nicht ! Viel Geld, mit dem man noch ca. 20 Elbphilharmonien hätte finanzieren können – oder besser: ca. 70.000 Sozialwohnung, 1000 Kita´s und 5000 km Breitband-Kabel.

Großmannssucht der Landesherren, politisch motivierte Kreditvergaben, Versagen der fachlich unqualifizierten Aufsichtsräte, kriminell handelnde Vorstände haben schon zum Niedergang der Berliner Bank, West LB und Riesenverlusten die der LBBW, LB Bayern geführt. Demnächst wird es die LB Bremen und Nord LB treffen. Die Landesbanken haben keine Daseinsberechtigung mehr und haben 100-te von Mrd Steuergelder verbrannt : schafft sie endlich ab und nehmt die verantwortlichen Aufsichtsgremien in die Haftung – natürlich reine Utopie, das unser derzeitige Finanzminister zum Kreis der Verantwortlichen zählt.

Nicht bekannt sind die Vorgänge, auf welche Weise sich im Rahmen der Abwicklung der Bank ehemalige Vorstände die milliardenschwere Immobiliensparte der HSH Nordbank AG „einverleibt“ haben. Ein interessantes Thema für den nächsten Report !